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Bienengift

Mit diesem Bienenprodukt haben wir wohl alle schon einmal mehr oder weniger schmerzhaft Bekanntschaft gemacht.

Die Biene benutzt ihren Stachel nur zur Verteidigung, wenn sie sich oder ihren Bienenstaat in Lebensgefahr wähnt. Eine Biene, die sich zum Ausruhen auf Ihre Hand setzt können Sie streicheln wie ein Kätzchen, sie wird nicht ans Stechen denken! Unsere heutigen Bienenrassen sind nämlich auf Sanftmut gezüchtet. Die Giftblase einer Biene enthält 0,3 mg Gift, 3000 Bienen besitzen etwa 1 Gramm. Man gewinnt es aus lebenden Bienen, indem man ihnen beim Verlassen ihres Stockes einen leichten Elektroschock versetzt. Dabei spritzen sie einen Teil ihres Giftvorrats auf eine Glasplatte ab, ohne dabei Schaden zu nehmen.

Bei einem Bienenstich bleibe der Stachel in der Haut stecken, weil er einen Widerhaken besitzt. Die Biene stirbt an dieser schweren Verletzung innerhalb weniger Tage. Dem Menschen aber schadet ein Bienenstich im Normalfall überhaupt nicht. Man entfernt den Stachel am besten durch Herauskratzen mit dem Fingernagel, nötigenfalls hilft ein Eiswürfel odr eine antiallergisch wirksame Salbe über den kleinen Schmerz hinweg.

Gefährlich können Bienenstiche allerdings werden bei Stichen ins Auge (sofort unter fließendem Wasser spülen!) oder bei Stichen in Zunge oder Gaumen. Bis zum Einsatz ärztlicher Hilfe kann man das bedrohliche Zuschwellen der Atemwege durch Kühlen mit einem Eiswürfel aufhalten. Ein Imker wird an seinem Stand auch meistens ein Antiallergikum zum Einnehmen bereit halten. In den sehr seltenen Fällen einer krankhaften Überempfindlichkeit gegen Bienengift kann ein juckender Ausschlag am ganzen Körper oder sogar ein lebensbedrohlicher Schockzustand mit Kreislaufkollaps auftreten. In diesen Fällen ist natürlich sofortige ärztliche Hilfe vonnöten.

Ist eine derart krankhafte Überempfindlichkeit bekannt, so kann diese heute durch eine sog. „Hyposensibilisierungsbehandlung“ geheilt werden. Diese Behandlung ist bei diesem Personenkreis dringend anzuraten, weil Stechinsekten überall in der freien Natur vorkommen und eine Bienengiftallergie meistens auch mit einer Überempfindlichkeit gegen das Gift der Wespen einhergeht.

Gesundheitlicher Wert des Bienengifts

Auf unseren Organismus wirkende Bestandteile des Bienengiftes sind überwiegend Eiweiße (Melittin, Fermente) und biogene Amine (z.B. Histamin).

Bei der Behandlung von Krankheiten mit Bienenprodukten (Apitherapie), genießt das Bienengift die größte Anerkennung, und das bereits seit der frühen Antike.

Uns ist die Anwendung von Bienengiftsalben und –linimenten sowie Bienengiftinjektionen gegen zahlreiche Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises geläufig. Bienengift bewirkt eine vermehrte Ausschüttung von Cortison, eines körpereigenen entzündungshemmenden Hormons der Nebennierenrinde. Entzündung und Schmerz werden so gemildert. Außerdem führt Bienengift bei örtlicher Anwendung zur Erwärmung infolge einer besseren Durchblutung des Gewebes, was wiederum den rheumatischen Heilungsprozess fördert. In der ehemaligen Sowjetunion ließ man die Bienen auch selbst im Bereich eines erkrankten Gelenks stechen und sparte so die Kosten für die Produktion der Bienengiftmedikamente. Man steigerte die Dosierung von 1-2 bis auf 30 Bienenstiche pro Anwendung und Gelenk.

Etwas weniger heroisch behandeln auch viele hiesige Imker ihre Rheumabeschwerden. Im Frühjahr erwarten sie schon sehnlichst den ersten Bienenflug, ja manchmal holen sie ihre Therapeuten sogar während der Winterruhe aus dem Stock.

Bei der erwähnten krankhaften Überempfindlichkeit gegen Bienengift kann man heute eine Hyposensibilisierungsbehandlung durchführen. Einem betroffenen Patienten spritzt man nach vorheriger Testung hochgereinigtes Bienengift in steigender Dosierung in die Haut und erreicht so eine allmähliche Gewöhnung des Körpers an das Gift. Einige Kliniken führen diese Behandlung auch im Schnellverfahren durch, wobei 5 Tage lang je 10 Spritzen täglich verabreicht werden. Leider entsteht bei diesen Verfahren meistens keine bleibende Immunität, sodass zur Aufrechterhaltung der Wirkung eine einmalige Injektion in 4-wöchentlichen Interwallen notwendig bleibt. Die Erfolgsquote dieser Behandlung beträgt nahezu 100%.